Neue Titelträger bei den hessischen Berglauf-Meisterschaften - Philipp Stuckhardt und Clara Costadura setzen sich durch
  10.09.2019 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Honorigen Besuch bei den Bergläufern: Mit Anja Wolf-Blanke stattete die Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) den Bergläufern bei den Landesmeisterschaften in Meißner-Abterode einen Besuch ab: „Ich gebe zu, ich bin erstmals bei den Berglaufmeisterschaften“, gestand die im November aus ihrem Amt ausscheidende langjährige Präsidentin. Ihre Abschiedstour („Vor den Halbmarathonmeisterschaften beim Lollslauf ist dies meine zweitletzte Veranstaltung, die ich als Präsidentin besuche“) führte sie in die nördliche Region des Landesverbandes, nach Meißner-Abterode nahe Eschwege. Und der örtliche Ausrichter unter der Federführung des Skiclub-Vorsitzenden Peter Eberhardt und des ortsansässigen HLV-Laufwarts Jochen Miersch machte der HLV-Präsidentin allerdings ihre Amtshandlung leicht, denn die ihr übertragene Siegerehrung lief „wie am Schnürchen“ mit der Übergabe der Meisterwimpel und der ausgedruckten Urkunden - und den vollzählig versammelten Sieger und Platzierten in der gut besetzten Mehrzweckhalle in Abterode.  

Auch wenn mit den beiden U20-EM-Startern Dominik Müller und Marius Abele absolute Berglauf-Cracks an der Startlinie in der Rehbergstraße standen, den Sieg holte sich ein Novize in Sachen Berglauf. Der 28jährige Philipp Stuckhardt im Dress des neu gegründeten Laufteam Kassel startete bei seinem ersten Berglauf derart mächtig durch, dass keiner der Konkurrenten mithalten konnte. Mit 38:34 Minuten lag der Landwirt in Anstellung bei einem großen Hofgut in Bad Hersfeld exakt eine Minute vor eben Marius Abele, der mit 19 Jahren noch der U20-Kategorie angehört und deshalb nicht in der Gesamtwertung der Männer auftaucht. 

„Es ging sehr gut“, freute sich Philipp Stuckhardt, „ich habe mich nach dem Start erst einmal in das Rennen hineingetastet und konnte mich aber schon bei der ersten Steigung von Marius Abele absetzen. Im Flachstück konnte ich noch weiter anziehen, deshalb ist der Vorsprung auch weiter angewachsen!“ Wo es bei Philippr Stuckhardt künftig weitergeht, das wird er sicherlich mit seinem Coach Winfried Aufenanger besprechen, der ihn im Ziel mit den Worten „Ich glaube, im Berglauf geht bei Dir noch viel mehr!“ begrüßte. Schon in drei Wochen steht er allerdings vor der Qual der Wahl: Entweder wie geplant ein Start bei den hessischen Straßenlaufmeisterschaften in Rodenbach oder doch schon bei den deutschen Berglaufmeisterschaften in Breitungen in Thüringen. „Ich glaube, mit der Mannschaft würde es bei uns nicht schlecht aussehen“, mutmaßte Tom Ring, der hessische Vizemeister am Hohen Meißner nach 41:10 Minuten. „Doch das muss unser Coach entscheiden….!“ 

Nils Bergmann (42:02), Willi Paufler (42:14), der M40-Meister Andrew Liston (42:39) und Marc Bunzendahl (43:16) folgten auf den Plätzen, bevor mit dem 17jährigen Luis Gabriel Braukhoff von der LG Fulda ein hoffnungsvoller Nachwuchsläufer auftauchte, für den 43:23 gestoppt wurden. Damit gewann er mit beträchtlichem Vorsprung auch die U18-Wertung. 

Keine Frage gab es nach dem Mannschaftsmeister, denn diesen Titel holte sich das Laufteam Kassel mit vier Minuten Vorsprung vor der LG Wettenberg und weiteren sieben Teams. Ganz anders hingegen die Situation bei den Frauen. Hier kam mit dem SC Meißner Eschwege gerade einmal ein Team in die Wertung, sodass hier kein Meistertitel vergeben wurde. Die leistungsstarken Vereine Hessens wie Spiridon Frankfurt und der ASC Darmstadt waren lediglich mit jeweils zwei Läuferinnen ins Nordhessische angereist. 

Bei den Frauen setzte Clara Costadura ihre bislang erfolgreich verlaufene Saison 2019 mit einem am Ende ungefährdeten Sieg am Hohen Meißner fort. Die 23jährige Italienerin hatte im Mai versucht, sich bei der EM-Qualifikation ihres Landes nahe Bergamo zu qualifizieren. „Mir haben zur Nominierung zwei Minuten gefehlt“, konstatierte sie mit einer leichten Enttäuschung in der Stimme. „Aber im Berglauf sind wir wirklich stark!“ Dem ist sicherlich nichts hinzufügen, schließlich gewann Italien vor der Matterhorn-Kulisse den Mannschaftstitel. 

„Nach der ersten Steigung hatte Simone noch geführt, auf dem anschließenden Flachstück konnte ich mich dann aber absetzen“, berichtete die Spiridon-Läuferin über den Rennverlauf. „Ich hatte zwar etwas Probleme mit dem Sprunggelenk, aber beim Lauf ging es gut“. Mit 44:46 Minuten lag sie klar vor der Konkurrenz. Die 20jährige in der Polizeiausbildung befindliche Nina Voelckel aus einer Nachbargemeinde von Abterode sorgte für die Überraschung, als sie im Flachstück zum Ziel an Simone Raatz vorbeiziehen konnte, die in den beiden vorangegangenen Titelkämpfen den Meistertitel gewinnen konnte, aber heuer wegen einer Rückenblockade unter Wert geschlagen als Dritte (und W40-Siegerin) ins Ziel kam. 

Ebenso wie Simone Raatz hatte auch die Rennsteiglaufsiegerin Nora Kusterer einen schwarzen Tag erwischt, Im starken Frauenfeld gab es für die W30-Meisterin nur Rang vier in der Gesamtwertung. Die ebenfalls wir Nina erst 20jährige Lena Ritzel wurde Fünfte vor Katharina Rach und der W45-Meisterin Sandra Barboseck. Mit der achtschnellsten Endzeit (50:55) wurde Elena Taubel U18-Hessenmeisterin.