DM Braunschweig (Tag 1, Männer): Überraschungs-Coup von Georg Fleischhauer über 110 Meter Hürden - Michael Pohl kann seinen Sprint-Titel nicht verteidigen und wird Fünfter
  09.08.2020 •     Leistungssport , Wettkampfsport


100 Meter: Zwei Hessen gingen im zweiten Vorlauf in den Startblock. Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar), der Titelverteidiger von Berlin, zog mit 10,34 Sekunden als Zweiter hinter Joshua Hartmann (ASV Köln/10,30 sec.) sicher ins Finale ein und blieb dabei nur einen Wimpernschlag über seiner Saisonbestmarke (10,33 sec.). Für Steven Müller (LG OVAG Friedberg Fauerbach) zeigte die Stoppuhr 10,55 Sekunden an. Für den Mann aus der Wetterau waren die 100 Meter jedoch eher ein „Aufwärmen“, da für ihn ja die Titelverteidigung über 200 Meter im Fokus steht.

Im Finale kam Deniz Almas (VfL Wolfsburg) bestens mit dem auf ihm lastenden Druck klar und hat souverän „abgeliefert“. Der neue Shootingstar auf der Sprintdistanz lief nur eine Woche nach seinen 10,08 Sekunden von Weinheim im Finale nun 10,09 Sekunden.  Mit bereits größerem Abstand folgten Joshua Hartmann (10,23 sec.) sowie Altmeister Julian Reus (LAC Erfurt/10,26 sec.). Michael Pohl blieb als Fünfter (10,35 sec.) im Rahme seiner Möglichkeiten. „Michael kam als Vierter ins Finale. Er hat momentan aber nicht ganz das Niveau, in der absoluten Spitze mitzulaufen. Deniz hat bei absoluter Windstille und auf einer langsamen Bahn den schnellten Lauf gezeigt, den es je gab. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Julian wurde damals bei seinem Rekord von kräftigem Rückenwind angeschoben“, rückt HLV-Coach David Correll das DM-Finale ins rechte Licht.

800 Meter:  Bestes lief es hier für die HLV-Vertreter. Christian von Eitzen (Athletic Team Karben) wurde im ersten Vorlauf mit 1:51,90 Minuten weiter und hatte damit das große „Q“ für die direkte Endlauf-Qualifikation sicher. Im zweiten Lauf setzte sich Marc Reuther (LG Eintracht Frankfurt) als Sieger in 1:49,27 Minuten gegen Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe/1:49,60 min.) und untermauerte damit seine Titelambitionen. Oskar Schwarzer (TV Groß-Gerau) kam als Dritter (1:50,06 min.) über die Zeit ins Finale. Dort ist auch Dennis Biederbick (Eintracht) mit von der Partie, der im dritten Lauf mit 1:51,27 Minuten die Nase ganz vorne hatte. Maximilian Klink (LG Dornburg/1:53,78 min.) schied in der ersten Runde aus.

1500 Meter:  Hessen-Power war über 1500 Meter angesagt, denn alle drei Mittelstreckler zogen problemlos ins Finale ein. Im ersten Lauf gab es durch Marc Tortell (Athletic Team Karben/3:48,33 min.), Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach/3:48,43 min.) sowie Marvin Heinrich (LG Eintracht Frankfurt/3:48,70 min.) einen astreinen Dreifach-Erfolg. Pech dagegen hatte im zweiten Lauf Mitfavorit Jens Mergenthaler (SV Winneden), der stürzte, sich wieder aufrappelte, mit 4:03,56 Minuten ausschied und damit seine Medaillen-Ambitionen begraben musste.

5000 Meter:  Es war ein typisches Meisterschaftsrennen, in dem es eher um die Platzierung, als um die ganz schnellen Zeiten ging. Am Ende hatte nach 14:02,75 Minuten Mohamed Mohumed (LG Olympia Dortmund) alles richtig gemacht und holte sich vor Maximilian Thorwirth (SFD 75 Düsseldorf/14:05,46 min.) den Titel. Die Bronzemedaille ging nach 14:06,43 Minuten „halb“ nach Hessen. Florian Orth, er lebt und arbeitet in Schwalmstadt als Zahnarzt, startet jedoch für die LG Telis Finanz Regensburg. Aaron Bienenfeld (SSC Hanau-Rodenbach), der das Feld zwischenzeitlich bei 3000 Metern (8:43,26 min.) und 4000 Metern (11:30,88 min.) anführte, belegte letztendlich den fünften Platz (14:08,28 min.).

110 Meter Hürden: Was für ein Comeback. Bereits in der ersten Runde deutete Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt) an, dass er eine Medaille im Visier hat. Im Vorlauf lag der Adlerträger mit glatten 14,00 Sekunden nur einen Tick hinter dem Favoriten Matthias Bühler (TV Haslach/13,96 sec.), und unterstrich das im Finale mit ihm zu rechnen ist. Fleischhauer, früher ein Spezialist über die Langhürden, schaltete dann im Endlauf gleich zwei Gänge hoch und holte in der neuen persönlichen Bestzeit von 13,86 Sekunden (zuvor 13,93 sec.) die Bronzemedaille. Für den Eintrachtler scheint Braunschweig ein gutes Pflaster zu sein, gewann er hier doch 2010, damals über 400 Meter Hürden, den DM-Titel. Seine Bestzeit notiert hier übrigens bei starken 48,72 Sekunden. Der studierte Wirtschafts-Ingenieur trainiert seit zwei Jahren beim ehemaligen Hürdensprinter Falk Balzer und ist seit dem letzten Herbst auch als Anschieber bei den Bobfahrern aktiv. Hier liebäugelt der 31-Jährige Leichtathlet mit einem Start bei der Winter-Olympiade 2022 in Peking. An der Spitze des Feldes setzte sich i Finale Matthias Bühler (13,62 sec.) gegen Erik Balnuweit (TV Wattenscheid/13,77 sec.) durch.

400 Meter Hürden:  Kein Problem mit dem Weiterkommen hatte Joshua Abuaku (LG Eintracht Frankfurt), der mit 51,34 Sekunden nicht mehr als nötig tat und in seinem Vorlauf nur Emil Agyekum (SCC Berlin) mit winzigen 0,02 Sekunden Vorsprung den Vortritt lassen musste. Im Finale muss der Eintrachtler dann aber eine Schippe drauflegen, um seinen Medaillen-Erfolg von Berlin ganz sicher zu wiederholen. Im zweiten Vorlauf war mit Eric Herbert ein weiterer Frankfurter Athlet im Einsatz. Für ihn stand mit 53,88 Sekunden zwar eine neue Jahresbestzeit zu Buche (zuvor 54,48 sec.), was aber nicht fürs den Finaleinzug reichte. Hierfür wären 53,64 Sekunden nötig gewesen.

Hammerwerfen:  Mit den Jungs im Ring wurde die DM in Braunschweig eröffnet. Christoph Gleixner (LG Eintracht Frankfurt), den in den letzten Monaten doch einige Wehwehchen in der Vorbereitung behinderten, machte seine Sache bestens. Nach 61,92 und 62,48 Metern in den beiden ersten Durchgängen flog der Hammer dann im dritten Versuch auf die neue Bestmarke von 64,22 Metern. Damit steigerte der Polizist seinen Hausrekord um 1,49 Meter und fand sich auf dem fünften Platz wieder. Spannend war der Kampf um den DM-Gold. Titelverteidiger Tristan Schwandke (TV Hindelang) kam gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon. Dem Routinier gelang es mit seinem letzten Wurf (auf 70,85 m) Merlin Hummel (UAC Kulmbach) abzufangen, der bis dahin mit 69,53 Metern in Führung lag. Somit hätte fast ein Jugendlicher, Hummel gehört noch der Klasse U20 an, die Männer-Konkurrenz düpiert.

Über 400 Meter, im Dreisprung sowie beim Diskuswerfen konnten sich keine hessischen Athleten für Braunschweig qualifizieren.